Das Meisennistkastenprojekt

Ablauf und Ziel des Projekts

Das Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde Offenhausen, der Grundschule Offenhausen sowie von Bürger*innen wird finanziell gefördert aus dem Bildungsfonds vom Nürnberger Land. Ziel ist es, der Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners durch die Förderung der Fressfeinde etwas entgegenzusetzen. In anderen Gemeinden konnten mit ähnlichen Projekten bereits erste Erfolge erzielt werden.

Die Nistkästen werden von den Schüler*innen zusammengebaut. Bürger*innen hängen die Kästen an ausgewählten Standorten in der Nähe von Eichen auf. Die Standorte werden dokumentiert, ebenso, ob die Nistkästen besetzt sind. Die Schüler*innen wissen, wo ihre jeweiligen Kästen hängen und können so die Nistkastenbewohner*innen beobachten. Das Projekt wird von mir umweltpädagogisch begleitet, unter anderem mit einem Schulausflug und einem Infobrief für zu Hause, so dass die Schüler*innen die Hintergründe der Aktion erfahren und weitergeben können.

Wichtige Lern- und Erfahrungsziele für die Schüler*innen sind nicht nur Artenkenntnis, Biologie, Verhalten und Ökologie rund um die beteiligten Tiere und Pflanzen, sondern auch das Erkennen von Zusammenhängen und Handlungsoptionen, Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit; BNE – Bildung für nachhaltige Entwicklung: Sach- und Methodenkompetenz, Sozialkompetenz, Selbstkompetenz:

Krisen wie Artensterben oder Probleme wie die Zunahme des Eichenprozessionsspinners müssen nicht als gegeben hingenommen werden, man kann aktiv werden und handeln!

Natürlich brauchen Meisen wie andere Vogelarten das ganze Jahr über Nahrung. Im nächsten Schritt wird deswegen ein neues Mahdkonzept für Gemeindeflächen erarbeitet, mit dem Ziel, dass diese Flächen über alle Jahreszeiten hinweg eine höhere Artenvielfalt und damit ein höheres natürliches Nahrungsangebot aufweisen.

Und natürlich sind Meisen nicht die einzigen, vermutlich auch nicht die wichtigsten Fressfeinde. Aber hier ist es am einfachsten, schnell aktiv zu werden.

Natürliche Fressfeinde des Eichenprozessionsspinners

Eigentlich hat der Eichenprozessionsspinner ziemlich viele natürliche Feinde, trotz der Brennhaare.
Fledermäuse und Vögel fangen die Falter.
Vögel wie Meisen fressen die jungen Raupen, die noch keine Brennhaare haben.
Kuckuck und Wiedehopf können sogar die Raupen mit ihren Brennhaaren fressen! Es macht denen nichts aus.
Zahlreiche Insektenarten – Raupenfliegen, Schlupfwespen und die beiden Käferarten Großer und Kleiner Puppenräuber – fressen die Raupen und Puppen.
Aber alle aufgelisteten Fressfeinde sind in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen, auch hier bei uns im Nürnberger Land. Stichwort: Artensterben.
Fledermäuse verlieren ihre Quartiere, viele Vogelarten werden immer weniger.
Kuckuck, Wiedehopfe – kaum noch vorhanden.
Und die Insekten – eben auch die nützlichen – sind um 80 % zurückgegangen.
Es wird zu viel „saubergemacht“, zu viel gemäht, wo man nicht mähen müsste, zu viele Gehölze zu oft zurückgeschnitten. Es fehlt an Orten für den Nachwuchs und an Überwinterungsquartieren.

Ein Profiteur des Ganzen: der Eichenprozessionsspinner!

Warum braucht es Nistkästen?

Meisen sind Höhlenbrüter. Das heißt, sie bauen ihre Nester in Baumhöhlen, zum Beispiel in alte Specht-oder in Asthöhlen. Leider dürfen Bäume bei uns oft nicht so alt werden – auch nicht in Wäldern und leider auch nicht unbedingt auf Flächen des Staatsforstes – dass solche Höhlen entstehen können und auch bestehen bleiben. Solche Bäume gelten als „schadhaft“ oder „krank“ und werden beseitigt. Was dabei vergessen wird ist, dass solche Bäume noch Jahrzehnte stehen können. So wie wir Menschen mit Zipperleinchen alt werden und leben, kommen auch Bäume mit ihren Zipperleinchen gut zu recht. Gerade diese Bäume sind wichtige Lebensräume und für die Artenvielfalt von größter Bedeutung. Ein Umdenken wäre hier sehr wichtig.

im Bild unten: Gerade noch erwischt! Der Star, der seine Baumhöhle verlässt, fliegt rechts aus dem Bild.

Für Höhlenbrüter wie Meisen ist das ein großes Problem. Wo sollen sie ihre Nester bauen? Und ihre Jungen großziehen? Schon vor über 100 Jahren haben Vogelliebhaber beobachtet, dass viele Höhlenbrüter deswegen keine Jungen großziehen können. Und vor etwa100 Jahren hat der Vogelkenner Dr. Hans Freiherr von Berlepsch den Nistkasten erfunden. Er war ein guter Naturbeobachter und hat auch erste Vogelschutzgebiete ins Leben gerufen. Seine Idee war, die Natur nachzuahmen, in dem er Spechthöhlen nachgebaut, und so künstliche Baumhöhlen geschaffen hat. Das war die Geburtsstunde der Nistkästen! Auch, wenn echte Baumhöhlen besser sind, ziehen Höhlenbrüter hier ein, bauen ihre Nester und ziehen ihre Jungen groß.

Weitere Höhlenbrüter: Stare (links) und Feldsperling (Mitte und rechts).



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